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30.10.2010 Kategorie: MartinChemnitz-WortzumSonntag

Bettler

Wort zum Sonntag vom 15.05.2010

Letzte Worte oder Schriftstücke von Sterbenden verdienen stets ein besonderes Mass an Aufmerksamkeit. Martin Luther ist aufgrund einer Art Dienstreise nicht zu Wittenberg sondern am 18. Februar 1546 in seiner Geburtsstadt Eisleben verstorben.

Mit einem Psalmgebet auf den Lippen ist er friedlich entschlafen,auf die an ihn gerichtete ernste Frage, ob er auch im Angesicht des Todes bei seiner Lehre bleiben wolle, antwortete er mit einem deutlichen "Ja".

Morgen wird in vielen evangelischen Gottesdiensten dieser seiner Lehre besonders gedacht. Wie aber sieht die eigentlich aus? Zwei Tage vor seinem Sterben hat Luther noch ein Blatt Papier beschrieben. In dem kurzen Text mahnte er zum immerwährendem "schmecken", ich erläutere das mit: Studium der Bibel.

"Neige dich tief anbetend vor ihren Spuren!" schrieb er abschließend und dann den letzten Satz: "Wir sind Bettler, das ist wahr."

Und ist nicht genau das seine reformatorische Erkenntnis gewesen, geschenkt durch die intensive Bibellektüre? Dass der Mensch vor Gott nie so viel leisten kann, um dem gegenüber als Fordernder aufzutreten, sondern dass jeder Mensch ganz allein und unverdient auf Gottes Gnade angewiesen ist und bleibt!

Und weiter ersah Luther aus der Bibel, dass Gott aus tiefster Liebe diese Gnade auch an die Menschen schenken will. Christus steht mit seinem Leben und Sterben dafür ein. Aber Gottes Geschenk möchte erbeten sein. Wir dürfen darum bitten und hoffen, es zu empfangen. Darum der Satz mit dem "Bettler sein". Mit ihm hat Luther seine Lehre noch ein letztes Mal entscheidend auf den Punkt gebracht.

Bild: kirkandmimi / Pixabay